Artist: Hans Joachim Roedelius
P: 1987
12 einfühlsame Pianostücke die Roedelius nach seinem Umzug nach Österreich komponierte und seine Kunst zeigt, Ambientmusik mit diesem Instrument zu erzeugen.
In der klassischen Musik wurde das Kürzel „pp“ (= Piano Piano = pianissimo) als Satzbezeichnung für sehr leise Musik verwendet. Und „Piano Piano“ ist ein sehr leises Album, leiser noch als „Wie das Wispern des Windes“, Roedelius’ erstes reines Klavieralbum. Roedelius nimmt mit seiner Klaviermusik die Gestalt einer Märchenfigur an, die es in eine fremde, phantastische Landschaft verschlagen hat und die versucht, sich dort staunend und scheu zu orientieren. Was er hier sieht, fühlt und ahnt, ist nicht immer von dieser Welt. Viele Eindrücke kommen schemenhaft von innen, andere wieder von Gott weiß woher. Zögernd nur bewegt sich Roedelius in diesen Gefilden, vorsichtig und behutsam erkundet er die nähere und ferne Umgebung, fast wie ein Kind, das aus dem Staunen nicht herauskommt. Und doch ist „Piano Piano“ alles andere als kindlich. Anfangs wurde Roedelius’ Klaviermusik mit der von Satie verglichen. Auch bekam sie schon den Stempel „Ambient“ aufgedrückt. Beide Vergleiche hinken. Satie war ein extrem formstrenger Komponist – Roedelius will sich aus dem starren Korsett der Form befreien; „Ambient“ ist es auch nicht, weil die Musik Aufmerksamkeit verlangt, anders würde man ihr nicht gerecht. Und „Piano Piano“ liegt auch nicht dazwischen, sondern ist stilistisch Roedelius’ eigener Weg in eine musikalische Landschaft, die nur er uns erschließen kann. Wir müssen ihm nur folgen. Seine Musik ist still und konzentriert, sie jedoch als kontemplativ oder gar meditativ zu bezeichnen wäre Etikettenschwindel: Nicht jede Musik, die uns aus uns herausführt, kommt mit spirituellem Pomp daher, wie auch die wenigsten Märchen von der Ewigkeit oder vom Jenseits raunen. Schönheit und Tiefe sind von dieser Welt. Auch Roedelius ist von dieser Welt. Was er uns zu erzählen hat, ist zwar wunderlich, manchmal wunderbar, bisweilen grenzt es gar an ein Wunder, wie er es immer wieder schafft, mit seiner Musik Bilder und Träume in uns wachzurufen. Mit „Piano Piano“ hat Roedelius wieder ein kleines Märchenbuch geschrieben, und es ist eine Binsenweisheit, dass in jedem Märchen ein gehöriger Anteil Wirklichkeit steckt.
Hier das letzte Exemplar!
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