Seit den frühen 80er Jahren konzentrierte Roedelius sich immer mehr auf den Flügel, die Elektronik wurde zu einem sparsam dosierten Gewürz. Auch traf er Musiker, mit denen
er in diversen Kombinationen eine neue Musik machte, die deutlich von der Cluster- und Harmonia-Ästhetik abwich. Es war für Roedelius nicht nur eine Zeit der musikalischen Neu-Orientierung, auch geographisch hatte sich viel verändert: Seine Heimat war nun Österreich. „Tu felix Austria“ (Oh, du glückliches Österreich), dieses uralte österreichische Motto
wurde im Nu zu Roedelius’ ganz eigener Maxime. Seine Freude am Klavierspiel und die Begegnungen mit gleichgesinnten Musikern taten ihr Übriges: Mit großer Begeisterung
ließ er die neuen Entdeckungen und Eindrücke fast ungefiltert in seine Musik einfließen. „Momenti Felici“ ist eines der schönsten Beispiele dafür. Unbeschwert und mit der ihm
eigenen überbordenden Phantasie greift Roedelius mal kräftig in die Tasten, mal scheint er sie mit nachdenklicher Versonnenheit nur zu streicheln, gelegentlich im Duett mit
dem Saxophonisten Alexander Czjzek. Scheinbar unbekümmert reiht Roedelius die unterschiedlichsten Stücke aneinander, mal streng komponierte, dann wieder sorglos improvisierte. Insofern ist „Momenti Felici“ am ehesten mit „Jardin au fou“ zu vergleichen. Aber wer genauer hinhört, wird merken, dass zwischen diesen beiden Alben ein langer
Zeitraum liegt, in dem Roedelius sowohl seine kompositorischen als auch ganz besonders seine spielerischen Fähigkeiten auf ein hohes Niveau brachte. Natürlich entfernte sich Roedelius mit „Momenti Felici“ noch weiter von der Elektronikszene. Aber schon längst hatte Roedelius mit seiner neuen Musik auch ein neues Publikum gefunden, das ihm bis auf den heutigen Tag enthusiastisch folgt. Und schließlich ließen sich auch viele Weggefährten der ersten Stunde davon überzeugen, dass nicht nur der Sinuston und die Rhythmusmaschine zu glückbringenden Hörerlebnissen führen, sondern dass eine schöne Melodie und ein satter Klavierakkord dasselbe bewirken können. Die Musik: mal streng komponierte, mal improvisierte neoklassische Klavierstücke, teilweise mit Saxophonund/ oder Synthesizer-Unterstützung.