Nach den remasterten Neuauflagen 2009 kommt nun ein echtes neues Studioalbum der rheinischen Elektroniker Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius. Es ist schwer zu sagen, ob sich seit den 70ern ihre Kompositionsmethode (die eher eine Klangfindungsmethode ist) verändert hat oder der Cluster-Sound lediglich durch die jeweils neue Technik seiner Erzeugung evolvierte. Ihre neuen Tracks jedenfalls sind gewohnt luftig-karg, die Beats kleinteilig, wie zerbröselt. Das menschenleer wirkende Klanghaus von Cluster, das sich nun auch der einst so assoziativen Tracktitel entledigt hat und auf Enigmatisches wie "Ymstrob" oder "Xanesra" setzt, deutet nur noch selten Belebtheit an - etwa durch das integrierte Quietschen eines ungeölten Türscharniers oder synthetisches Vogelzirpen. Alles aber bleibt im Ungefähren, diese Tracks wollen sich nicht festlegen, sie haben weder Refrains noch Meinungen, sie entwickeln sich nicht, sie tapsen rhythmisch auf der Stelle und genügen sich ganz und gar selbst. Musik ohne Ideologie, Skizzen aus dem Irgendwo, hingeskribbelt mit Photoshopkreide. Und manchmal ("Gissander") von einer so unbestimmten Melancholie, dass es dir das Herz zusammenzieht.