„Nanocluster Vol 1“ ist ein Album mit ernsthaftem Hintergrund. Dabei arbeitet Immersion (alias Malka Spigel und Colin Newman von den einflussreichen Gruppen Minimal Compact bzw. Wire) mit einigen der besten linken Künstler unserer Zeit zusammen: Tarwater, Laetitia Sadier, Ulrich Schnauss und Scanner. Das Projekt entstand aus einer Clubnacht in Brighton, auch Nanocluster genannt, die von Spigel und Newman zusammen mit dem Autor, Rundfunksprecher und DJ Graham Duff und dem Promoter Andy Rossiter geleitet wurde. Der Club bietet eine Reihe einflussreicher und innovativer Musik-Acts. Das Einzigartige an den Abenden ist jedoch, dass jede Show mit einer einmaligen Zusammenarbeit zwischen Immersion und den Headlinern gipfelt. Die Songs wurden im Studio innerhalb von nur drei Tagen vor dem Auftritt geschrieben und aufgenommen – bzw. einem Tag im Fall von Schnauss. „Es hätte einfach eine Reihe von Auftritten sein können.“ sagt Newman „Aber die Tatsache, dass wir die Tracks für die Auftritte im Studio gebaut hatten, bedeutet, dass wir diese Aufnahmen hatten.“ sagt Spigel. Die Aufnahmen wurden seitdem unter der Leitung von Immersion entwickelt. Das Ergebnis ist ein wunderschönes und einzigartiges Album. „Ich denke, das wirklich Interessante ist, wie unterschiedlich jeder ist“, sagt Spigel. „Sowohl menschlich als auch kreativ.“ Immersion und Tarwater Das deutsche Duo Ronald Lippok und Bernd Jestram hat ein beeindruckendes Gesamtwerk geschaffen. Doch ihre Beteiligung an Immersion hat ihren Sound erweitert und eine panoramischenre Klanglandschaft geschaffen. Das eröffnende Instrumental „Ripples“ ist ein sanfter Hauch von Optimismus, voller schnurrender Töne und sonnenverwöhnter Synthesizer. In der Zwischenzeit „Mrs. „Wood“ ist ein dubbiger psychedelischer Shuffle, Lippoks Gesang ist kühl und sicher über einer fetten Basslinie und himmelhohen östlichen Melodien. Es fühlt sich an wie eine großzügigere Interpretation des Tarwater von Alben wie „Suns, Animals and Atoms“. Die dritte Zusammenarbeit der vier Musiker ist Nanoclusters poppigster Moment: Mit einer herzlichen, aber unsentimentalen Lyrik, die sich über katzenartigen Rhythmen entfaltet, ist „All You Cat Lovers“ eine Wohlfühlhymne für Katzenliebhaber auf der ganzen Welt. Immersion und Laetitia Sadier Als originelle und unverwechselbare Präsenz in der zeitgenössischen Musik machte sich Sadier mit dem unnachahmlichen Stereolab einen Namen, schuf aber auch mehrere beeindruckende Solowerke. Im Instrumental „Unclustered“ webt sich Sadiers spinnenartige Gitarre durch Immersions üppiges Netz aus Synthesizer-Drohnen. Das folgende „Uncensored“ hat einen subtilen melodischen Zug mit einer klassischen Spigel-Gitarrenlinie, die Sadiers süßen, aber weltgewandten Gesang untermauert. „Riding the Wave“ ist ein weiterer Wohlfühlsong, der zwischen Newmans klagendem Gesang, Spigels Gesang und Sadiers Hintergrundgesang wechselt. Mit seinem aufmunternden Refrain: „Things have a way of work out“ fühlt sich „Riding The Wave“ an, als wäre es der Sound des Sommers, auf den wir alle gewartet haben. Immersion & Ulrich Schnauss Schnauss ist ein hoch angesehener Solokünstler und Mitglied von Tangerine Dream. Seine Fähigkeiten im Umgang mit Elektronik sind legendär. Die Eröffnung „Remember Those Days On The Road“ hüpft im Rimshot-Rhythmus mit Spigels honigsüßer Stimme, die eine Geschichte vom Leben auf Tour erzählt. Dennoch ist es weit von dieser üblichen Kost entfernt. Das fühlt sich verletzlich und voller Melancholie an. „Skylarks“ beginnt mit einem Gitter aus Arpeggien, bevor eine sanft nörgelnde Gitarre einsetzt und alles eine erhabene Wendung nimmt. „So Much Green“ ist alles, was man sich von einer Zusammenarbeit zwischen Newman, Spigel und Schnauss erhofft. Ein ständig spiralförmiger Urban-Kosmisch, bei dem Spigels klagender Bass die himmlischen Klänge verankert. Die Hinzufügung ihrer wortlosen Backing-Vocals und Aufnahmen von echtem Vogelgesang heben die Stimmung nur noch weiter. Immersion & Scanner Scanner – auch bekannt als Robin Rimbaud – ist einer der produktivsten und vielfältigsten Künstler, die derzeit in der zeitgenössischen Musik arbeiten. Spigel und Newman haben natürlich schon früher intensiv mit Rimbaud zusammengearbeitet: neben Max Franken in der Art-Pop-Gruppe Githead. Aber das ist etwas ganz anderes. Ihr gemeinsames Eröffnungsstück: „Cataliz“ ist der stimmungsvollste Moment des Albums. Mit seinen schlangenartigen Synthesizer-Drohnen klingt es wie der Soundtrack zu einem mysteriösen Thriller. Das satte, pulsierende „Metrosphere“ erinnert an Immersions Frühwerk, fügt aber eine weitere Schicht körniger Unsicherheit hinzu. Das abschließende „The Mundane and the Profound“ beginnt mit einer „Rimbaud-gescannten“ Aufnahme einer verärgerten Flugbegleiterin, wird aber schließlich von einer einfachen, aber gefühlvollen Klavierfigur untermalt: ein sanfter und berührender Abschluss einer einzigartigen Sammlung von Liedern. Nanocluster Vol. 1 ist ein Beweis für eine bemerkenswerte Synergie zwischen einer vielfältigen Ansammlung stark individueller Talente. Die Tatsache, dass es nicht nur gelingt, sondern auch hervorragende Leistungen erbringt, sollte ein Grund zum Feiern sein.