Als Tangerine Dream im November 1982 in Londons "Dominion" auftraten und diese Show auf Tonband festhielten, hatten sie eine turbulente Zeit hinter sich. Das Trio durfte wenige Monate zuvor als erste Formation aus dem Westen hinter dem Eisernen Vorhang, nämlich im "Palast der Republik" zu Ostberlin, konzertieren. Edgar Froese, Chris Franke und Johannes Schmoelling hatten außerdem gerade einen aufwendigen TV-Auftritt mit dem Münchener Philharmonischen Orchester absolviert. Vielleicht lag es an der Hektik der vorangegangenen Monate, daß sich die Gruppe an jenem Abend in der Themse-Metropole einen eher ruhigen und beschaulichen Sound zum Entspannen gönnte. TD, seinerzeit gerade auf dem Zenit ihrer Kreativkraft, spielten vor dem englischen Auditorium jedenfalls eine vollelektronische Trancemusik, die den Zuhörer in eine introspektive Stimmung versetzt. Aus psychedelischen Tonmutationen, sphärischen Schwebeklängen und kargen Minimal-Mustern nach Art eines Steve Reich erschufen die drei eine Musik zum Relaxen und Abschalten. Dem in einem Band-Statement formulierten Anspruch, eine "schöne Musik zu schaffen, die sich von den Affekten des Hasses, der Aggression und der Verzweiflung löst und dem Zuhörer Freude und Hoffnung gibt", werden Tangerine Dream auf Logos in jeder Note gerecht. Tangerine Dream haben mit dieser Live-Aufnahme von 1982 ihr Live Meisterwerk vorgelegt. Da sprudelt es nur so vor Einfallsreichtum. Logos Part 1 gefällt noch um einiges besser als der 2. Teil. Und die Zugabe "Dominion" ist die gelungene Abschlusshymne eines wirklich bemerkenswerten Konzertes. Vergleicht man die Live-Veröffentlichungen von TD im Laufe der letzten 4 Jahrzehnte, so muss man feststellen, dass auch "Encore", "Poland", "Pergamon" und "Livemiles" durchaus Qualität besitzen und ihre glanzvollen Momente haben, aber keines der genannten Alben wirkt so in sich geschlossen wie "Logos". Die Livemusik ist zum größten Teil aus der Filmmusik zu dem Film "The Keep" zusammengestellt.