Artist: Hans Joachim Roedelius & Schneider Tracklist:
Umstunden
Indie Woogie
Frankly
Whose Contact?
Nuance
Graden
Toast
Hohner Omen
Mild
Unsettled
Bald
Anderer
Pedal Piece
Kurz nachdem Hans-Joachim Roedelius und Stefan Schneider im Jahr 2011 ihr erstes Album „Stunden“ veröffentlicht hatten und sie auch einige Male live aufgetreten waren, wurden als große Anreger ihrer gemeinsamen Musik Eric Satie und Brian Eno genannt. Das sind gewiss gute Referenzen, denn der eine erfand die musique d'ameublement, und der andere veredelte diese 80 Jahre später zur Ambient-Musik. Beide Etiketten treffen aber auf „Tiden“ nicht zu. Weder ist die Musik geschmackvolles Dekor (à la Satie), noch ist sie ein elektronisch-auditiver Raumfüller (à la Eno) mit Unendlichkeitsperspektive. Allein die kurzen Dauern der 13 Stücke lassen keine dieser Zuschreibungen zu. Es sind vielmehr konzentriert und inspiriert durchgearbeitete Etüden, an denen nichts Skizzenhaftes oder Beiläufiges ist. Mit heiterem Ernst erschaffen die beiden Künstler eine absolute Musik – eine Musik also, die nur sie selbst sein will, ohne Nebennutzen und mit dem erklärten Ziel, den Hörer an ihrem gefühlvollen, erfindungsreichen Spiel teilhaben zu lassen. Insofern könnte man schon eher Franz Schubert und seine moments musicaux als Kronzeugen aufrufen. Die Leichtigkeit und die intime Atmosphäre ihrer Musik weisen Roedelius (Flügel, Synthesizer) und den um Jahrzehnte jüngeren Schneider (Elektronik) als Musiker aus, die es verstehen, aufeinander zu hören und die Einfälle des jeweils anderen sofort improvisierend aufzugreifen. So entsteht ein unablässiges, lebendiges Wechselspiel von großer Gelassenheit, überraschender, als es jede Tide sein könnte, für die es ja präzise Kalender gibt. Roedelius hat bereits einen langen und abenteuerlichen musikalischen Werdegang hinter sich, Schneider sammelte jahrelange und mindestens ebenso auf- und anregende Erfahrungen in der aktuellen Popmusik. Nun kreuzen sich ihre Wege schon zum zweiten Mal, und was ihr erstes Album versprach, löst „Tiden“ ein. Das Ergebnis ist eine ebenso kluge wie freundliche und zeitgenössische Musik von zwei Künstlern, die ein Herz und eine Seele zu sein scheinen. Und wenn Roedelius auf das Pedal des Flügels tritt, dann quietscht es eben.