1. Schizo (And the Little Girl) (3:40)
2. Paraphrenia Praecox (4:00)
3. Le Voyageur (4:25)
4. Torcol (2:50)
5. Baader-Meinhof Blues (8:19)
6. O.D.B. (7:32)
7. Perspectives 1 bis Complement (7:16)
8. Perspectives 4 Bis (6:15)
9. Telstar (3:13)
10. Rhizosphere Suite (4:22)
11. Rhizosphere Sequent (3:02)
12. Claire P. (3:19)
13. West Side (3:43)
14. Houston 69 (4:32)
15. Beautiful May (3:58)
Total Time 78:12
Eine Single-Kompilation von Richard Pinhas? Normalerweise gibt es so etwas nur von Rockern, deren Singles sich zumindest einige Zeit in den vorderen Rängen der Hitparade aufgehalten haben. Dort hat sich sicher keines der hier zu findenden Stücke jemals befunden. Trotzdem ist "Single Collection 1972-1980", von den Japanern von Captain Trip liebevoll zusammengestellt und wie immer sehr hübsch verpackt, eine sehr interessante und gelungene Angelegenheit, zumindest für Pinhas- und Heldonfans und für Liebhaber von kantiger französischer Elektronik. Acht Singles sind hier versammelt, erschienen zwischen 1972 und 1980, entweder unter dem Namen Pinhas' (die Stücke 11-15), oder eingespielt von einer der beiden Bands des Franzosen: Schizo und Heldon. "Moment", wird der aufmerksame Leser denken, "fünfzehn Stücke und acht Singles? Da fehlt doch eine Nummer!" Da das Stück "West Side" aber sowohl als A- und als B-Seite der beiden abschließenden Singles Verwendung fand, erklärt sich dieser kleine Widerspruch.
Am interessantesten, zumindest für all diejenigen, die die Musik von Pinhas und Heldon schon kennen, sind die ersten vier Stücke. Hier ist Schizo zu hören, die erste Band der Pinhas, eigentlich promovierter Philosoph, angehörte. Die Band, bei der auch Patrick Gauthier tätig war, spielte nur die beiden hier vertretenen Singles ein (1972 und 1973). Geboten wird ein sehr sperriger, jazzig-psychedelisch-spaciger Rock, der nur gelegentlich an die Musik von Heldon erinnert und auf den ersten beiden Nummern gar mit erdigem Gesang à la Roger Chapman aufwartet. "Le Voyageur" tauchte später dann in einer etwas elektrifizierteren Version auf dem Heldon-Debüt auf.
Die nächsten vier Stücke stammen dann von Heldon. 1975 veröffentlichte Pinhas eine Single, mit der er seine Sympathien zur RAF zum Ausdruck bringen wollte. Was man nun auch immer von solch zweifelhaften politischen Aussagen halten mag, in musikalischer Hinsicht enthielt "Soutien à la RAF" zwei rein instrumentale Ausschnitte aus den Heldon-Alben "Agneta Nilsson" (der "Bader-Meinhof-Blues" - der Grossteil von "Perspective III") und "Allez Teia" (eine etwas längere Version von "Omar Diop Blondin"). Ein Jahr später erschien dann eine weitere Single mit "Agneta-Nilsson"-Material. Die darauf zu findende Version von "Perspectives 1" unterscheidet sich dabei deutlich von der Albumversion. "Perspectives IV bis" bietet dagegen nur einen Ausschnitt des originalen Albumtitels.
1978 wollte Pinhas offenbar eine Schlagerplatte machen, genauer eine Elektronikschlagerplatte. Dazu spielte er eine Elektronikversion der Tornados-Nummer "Telestar" ein (das Original erreichte im Sommer 1962 sowohl in den USA als auch in Großbritannien den ersten Platz der Singlecharts). Gekoppelt wurde das unter dem Projektnamen "T.H.X." veröffentlichte Stück mit einem Ausschnitt von Pinhas' Soloalbum "Rhizosphère". Ebensolche Ausschnitte sind auch auf der nächsten, 1977 erschienen Single zu finden, die nun erstmals unter Pinhas Namen veröffentlicht wurde.
Zum Abschluss des Albums sind schließlich drei Nummern des Albums "East / West" zu finden. Von diesen ist "West Side", versehen mit Gesang in Englisch, deutlich kommerzieller ausgefallen als die restlichen Stücke hier und begibt sich recht unverhohlen in damals zeitgemäße Elektropogefilde. "Houston 69" bietet noch mal Heldonartigen Elektronikrock mit verzerrtem Sprechgesang, während das abschließende "Beautiful May" mit seinen schlichten Elektronikklängen an Produktionen aus der Weserberglandschule erinnert (siehe z.B. "Sowiesoso").
"Single Collection 1972-1980" ist eine interessante Zusammenstellung, die zudem noch das eine oder andere nur hier zu findende Schmankerl aufweist. Leider ist die Klangqualität einiger der Stücke, die offenbar direkt von einem überlebenden Vinyloriginal überspielt wurde (vor allem die Schizo-Tracks), nicht perfekt. Trotzdem kann man "Single Collection 1972-1980" empfehlen, sowohl als Sammlungsergänzung für den Fan, als auch als Kompilation für denjenigen, der sich einen repräsentativen Überblick über das Schaffen Pinhas' aus den 70er Jahren verschaffen will.