Artist: William Orbit
P: 2000
William Orbit ist ein nicht ganz unumstrittener alter Hase der britischen Elektronikszene und im letzten Jahrzehnt vorwiegend als Remixer und mit seinen eigenen Ambient-Experimenten unter dem Namen Strange Cargo in Erscheinung getreten. Dann plötzlich steht er mit Madonna auf dem Treppchen und kassiert einen verdienten Grammy für die Produktion ihres Albums Ray Of Light -- nicht eben progressiv, aber solide und hip genug für den Mainstream. Wenn das keine gute Gelegenheit ist, sein eigenes Anliegen wieder vorzubringen, denn das Projekt Pieces In A Modern Style lag bis zur Veröffentlichung schon fünf Jahre auf Eis, und böse Stimmen werden sagen "man hört's". Trotzdem passt Pieces In A Modern Style gut in diese "Wendezeit": Es ist der legitime Versuch, "klassische" Musik aus vier Jahrhunderten elektronisch aufzuarbeiten und umgekehrt die elektronische Musik zu historisieren, was je nach Originalwerk unterschiedlich gut gelungen ist. Samuel Barbers elegisches "Adagio For Strings", das bekanntlich in verschiedenen Filmsoundtracks zum Einsatz kam (z.B. Platoon) bietet sich für dieses Treatment an, John Cages "In A Landscape" eigentlich weniger, aber es funktioniert! Erik Satie gilt ohnehin vielen als Vorvater der Ambient Music, was Herr Orbit leicht zum eigenen Vorteil ausnutzen kann. Weniger überzeugend sind dagegen seine Vivaldi- und Beethoven-Bearbeitungen, weil hier die "Modernität" der Einspielung weder Reibung noch Synergie erzeugt, sondern eher zur Verkitschung beiträgt. Insgesamt ist Pieces..., wie Orbit selbst sagt, "nicht sehr anspruchsvoll", dafür aber schön, leicht zu konsumieren, ohne jedoch zur reinen Klangtapete zu werden, und "die Absicht besteht darin, dass die Musik ihre Geheimnisse allmählich preisgibt". Das wird sie... --Christian Arndt
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