Artist: Kraftwerk
P: 1981
Auf "Computer World" vertieften Kraftwerk ihre, wie sie das formulierten, "Freundschaft mit Maschinen", die in technisierter "industrieller Volksmusik" des Ruhrpotts (O-Ton Hütter) resultierte. Neben raffinierten, damals innovativen Elektronik-Popsongs findet sich in Gestalt des trockenen Tracks "Numbers" sogar eine kunstvolle Techno-Pioniertat. Dass "Computerwelt" gleichzeitig um einiges atmosphärischer und etwas weniger steril als die Vorgängerplatte wirkt, ist nur oberflächlich gesehen ein Widerspruch. Die Zeit nach "Die Mensch-Maschine" wurde zum Umbau des legendären Kling Klang Studios genutzt. Digitale Technik hielt in der Musik von Kraftwerk Einzug. Dadurch wirkt das Klangbild, darunter auch die verfremdeten Stimmen und die Synthies weniger archaisch als auf "The Man-Machine". Die Rhythmen sind um so maschineller, aber nicht minder kreativ ausgefallen. "Pocket calculator" ist ein - besonders in der deutschen Textversion - witziges Elektronikpop-Kleinod mit verwobenen, melodischen Synthieparts. Ein Auszug aus dem deutschen "Taschenrechner"-Text: "Ich bin der Musikant mit dem Taschenrechner in der Hand". An anderer Stelle heißt es da: "Wenn ich diese Taste drück', spielt er ein kleines Musikstück". Wie zu beweisen war, im Falle von "Computerwelt" ist die deutsche Version textlich interessanter ausgefallen als die englische. (Einen wirklich bekloppten Kraftwerkfan erkennt man natürlich vor allem am Besitz von beiden Textversionen der jeweiligen Platte).
"Numbers" ist für meine Ohren eine wahre Techno-Orgie, bestehend aus kraftvollem, klanglich attraktivem Rhythmus, und aus darüber schwebenden, spärlichen Synthies, sowie unzähligen, meistens gesampelten und/oder verfremdeten Kraftwerk-Stimmen, die sich in mehreren Sprachen im Zählen üben.
"Computer love" ist ein leicht melancholisches elektronisches Liedchen über die Einsamkeit. In der deutschen Textversion benutzte der Sänger 1981 noch Bildschirmtext für seine Verabredungen. Vom Internet war damals noch nicht die Rede, trotz der richtigen Computerwelt-Vorahnung von Kraftwerk. Allzu sorglos sah man nun auch nicht in die Zukunft: In den Texten des Titeltracks wird resigniert festgestellt, dass alle denkbaren Behörden über unsere jederzeit verfügbaren persönlichen Daten verfügen.
"Home computer" hat was Gehemnisvolles. Insbesonders in den sphärisch-rhythmischen, sequencerdominierten Instrumentalpassagen.
Zum Abschluß gibt es noch "It's more fun to compute", ein bewundernswert kompaktes Lied, dessen Spannung im Zusammenwirken von Rhythmus, elektronischem Sprechgesang und minimalistischen Synthietönen liegt. Der instrumentale Teil des Stückes erinnert mich mit seiner nostalgischen Synthiemelodie an Tangerine Dream der späten 70-er.
Insgesamt noch eine ungeheuer einflussreiche und für grosse Teile der Musikwelt wegweisende Kraftwerk-Platte.
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