Kluster

Kluster

Kluster (ab 1971 Cluster) war eine deutsche Musikgruppe, die 1969 von Conrad Schnitzler, Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius gegründet wurde. Sie wirkte aktiv am Beginn des Krautrocks mit. Experimentelle Musik mit teils mythischen Texten füllte die ersten beiden Alben „Klopfzeichen“ und „Kluster Zwei Osterei“. Danach verließ Conrad Schnitzler die Band. Die verbliebenen Musiker Moebius und Roedelius benannten daraufhin 1971 ihr musikalisches Projekt in „Cluster“ um. Weitere Alben mit Elektronischer Musik folgten. Zusammen mit dem ehemaligen Neu!-Musiker Michael Rother nahmen die beiden unter dem Namen Harmonia zwei deutlich melodischere, die Elektronische Musik deutlich ironisierende Alben auf („Musik von Harmonia“ und „De Luxe“) auf. Weitere fruchtbare Kollaborationen gab es mit dem britischen Musiker Brian Eno, den Cluster bei einem Konzert Mitte der 70er kennengelernt haben. Die Alben „Cluster & Eno“ und „After The Heat“ zeugen von dieser Phase. Sowohl Dieter Moebius als auch Hans-Joachim Roedelius haben viele Solo-Alben herausgebracht.

Qluster - Rufen

Artist: Qluster
P: 2011
„Rufen“ ist der zweite Teil in einer Trilogie mit Qluster- Musik und folgt dem Studioalbum „Fragen“. In vier eindrucksvollen Live-Mitschnitten breiten Hans Joachim Roedelius
und Onnen Bock im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Klang-Panoramen aus, die in ihrer Transparenz und Vielgestaltigkeit an die hoch-impressionistische Musik Claude Debussys erinnern. Hätte dieser nicht bereits den „Nachmittag eines Fauns“ komponiert – Qluster wäre prädestiniert dazu. Roedelius und Bock scheinen der Zeit völlig entrückt zu sein, verzichten auf Computer und digitale Klangsynthese; stattdessen verwenden sie
ausschließlich analoge Keyboards, unter anderem den guten alten Synthesizer Korg MS 20. Sie machen aber auch keine rückwärts gewandten Anleihen bei vergangenen Stilepochen. Die völlige Abkehr von herkömmlichen rhythmischen und harmonischen Mustern, die Fremdartigkeit der Klänge und die Durchsichtigkeit rücken die Qluster-Musik in die Nähe gegenwärtiger elektronischer Kammermusik; allerdings, so paradox es auch klingen mag, einer, die von Qluster erst erfunden werden musste. Führte das vorangegangene Album „Fragen“ bereits in seltsame, unwirklich anmutende musikalische Bereiche, so ist der Bogen in „Rufen“ noch viel weiter gespannt. Der Hörer wird von Qluster mit auf einen Weg genommen, der sich an einem imaginären Horizont zu verlieren scheint. Roedelius und Bock weichen von diesem Weg aber weder ab, noch gerät ihnen das Ziel aus den Augen. Insofern sind sie gewissenhafte Pfadfinder, denen sich der Wanderer vertrauensvoll anschließen kann. Die Qluster-Musik mag kein Ziel haben, vielleicht liegt es in Wolkenkuckucksheim. Die Richtung jedoch ist eindeutig: Immer der Sonne nach, in immer weitere Fernen, dorthin, wo alles ein wenig anders aussieht und etwas anders klingt. Neuland, terra incognita. So neu wie die Musik von Qluster ist, so neu sind die Erfahrungen, wenn man sie hört. „Rufen“ ist nicht neu, um neu zu  sein. Das wäre zu wenig. „Rufen“ ist neu, weil zwei reife Künstlerpersönlichkeiten es ohne Anstrengung geschafft haben, in der Gegenwart eine Musik zu spielen, die zeitlich nicht verortet werden kann und deren Formen- und Klangsprache mit nichts zu vergleichen ist. Zufall? Jedenfalls sehr selten.
Asmus Tietchens

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