Artist: Far East Family Band
P: 1973/ 2000
Far Out wird meist mit der Far East Family Band in einen Topf geworfen. Beide Formationen waren durch den Gitarristen und Keyboarder Fumio Miyashita miteinander verbunden, der Far Out in den frühen 70er Jahren gegründet hat. Nach dem Erscheinen des einzigen Album, löste Miyashita Far Out auf, um die Far East Family Band mitzugründen. Dabei hat er nicht nur das "Far" mit in die neue Gruppe mitgebracht. Das zweite Stück des Far-Out-Debüts, das ausladende "Nihonjin", taucht nämlich relativ unverändert, wenn auch elektronisch und hinsichtlich des Tasteneinsatzes deutlich aufgerüstet, auf dem zweiten Album der Far East Family Band wieder auf. Zwei lange Stücke gibt es auf "Far Out" zu hören, beide komponiert von Miyashita. In instrumentaler Hinsicht hält er sich aber zurück und überlässt das Feld seinen Musikerkollegen, insbesondere Eiichi Sayu an der E-Gitarre. Dazu klampft Miyashita akustisch und sorgt für verhaltenes, elektronisches Zischen und Wabern, wummert Bassist Ishikawa und trommelt Manami Arai abwechslungsreich dazwischen. Spacig-psychedelische Gejamme bildet den Kern beider Nummern, dominiert von den ausschweifenden Gitarreneskapaden Sayus. Doch im Vergleich zu dem üblichen, nach einiger Zeit langweiligen Gesäge einer durchschnittlichen Psych-Garagencombo der frühen 70er Jahre, bieten die vier Japaner noch einiges mehr (und sind auch deutlich weniger heftig zu Gange). Kei Ishikawa bedient z.B. oft eine elektrisch verstärkte Sitar, eine Art von E-Gitarre, die aber sitarähnliche Klänge von sich gibt. Zusammen mit dem getragenen Gesang bekommt die Musik so ein ganz eigenes, asiatisches Flair. "Too Many People" beginnt mit langem kosmischen Zischen, ehe sich langsam ein entspannt-gteragenes Gitarren-Liedchen daraus erhebt, welches sich über 10 Minuten hinweg und unter hinzutreten von Bass, Schlagzeug, E-Gitarre und E-Sitar zu einem munteren Asia-Gerocke entwickelt. "Nihonjin" ist ähnlich konzipiert, wartet aber mit deutlich mehr Abwechslung und Japan-Atmosphäre auf. Sitarklänge und hypnotisch dahinschreitende Perkussion eröffnen die Nummer die sich, nach einem melodisch-liedhaften Abschnitt mit getragenem Gesang, für mehrere Minuten in verhaltenem, aber komplexem und durchaus abwechslungsreichem Gejamme festfährt, welches dann, nach einer weiteren melodischen Insel, unter Einbeziehung von monoton-sonoren Gesängen ausgesprochen eigen und intensiv rockt. Die letzten drei Minuten des Stückes bestimmen dann traditionelle japanische Klänge. Perkussion, quietschendes Gezupfe und schwebende Flötentöne, unterlegt mit leisen Orgelteppichen, mäandern stimmungsvoll dahin. Diese Version der Nummer gefällt mir fast besser als die gekürzte und elektronisch-symphonisch aufgepeppte Version auf "Nipponjin".
"Far Out", mit dem seltsamen Handschuhcover, ist eine sehr gelungene Scheibe mit eigenständigem, japanischem Psycho-Space-Prog, der alles in allem recht melodisch und rund aus den Boxen kommt, dabei aber den bei vielen japanischen Bands zumindest unterschwellig vorhandenen Kitsch und poppigen Schmalz vermeidet. Kurz: Ein Japan-Klassiker! Hier noch mit 7 weiteren Bonusstücken aus der CD "The Cave Down to the Earth".
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