Artist: Stefan Erbe
Tracklist:
01 a big wave
02 restart the world
03 the child of aleppo
04 luxury
05 understand
06 fingerprints
07 here comes the news
08 think loud
09 planet plastic
10 you are not alone
11 voices in your head
nur auf der CD Version
+12 the astronaut
+13 forlorn
+14 what ever you believe in
Wenn Stefan Erbe (s)eine musikalische Schaffenszeit als logische Konsequenz auf ein Album verewigt ist Eines ganz sicher, keine seiner Produktionen ist wie die vorherige oder entspricht dem kompositorischen Algorithmus eines anderen Exemplars seiner bisherigen 30 Alben. Dies untermauert sein neuestes Werk „REFLECT“ auf eine außergewöhnliche Weise, denn die aktuellen 61 Minuten seiner universalen Medien-Wiederspiegelungen, Human-Reflexionen und differenzierten Weltbetrachtungen geben zahlreichen tonale Andeutungen auch auf die unendlichen Missstände unserer Menscheit, ohne dafür nur ein gesprochenes Wort zu äußern. Vielmehr ist es die narrative Dynamik des Albums, die unsere Gedanken zu Bildern werden lässt, etwas emotional visualisiert oder persönliche Ansichten in eine gehörte Form bringt. „REFLECT“ intensiviert die Eindrücke die jeder irgendwie in sich trägt und regt damit an, davon etwas nach außen zu lassen. Erbes Erzählform ist dieses Mal deutlich düsterer, ernster und selbstreflektierend: „Meine Zeit der letzten Monaten und Jahre waren auch von Verlusten, eigenen Ängsten und Unsicherheiten geprägt. Widersprüche und Fragen spielen genauso eine Rolle, wie Erfolge und Zufriedenheit. Die persönlichen Wünsche und Hoffnungen, werden nicht nur durch mediale Eindrücke beeinflusst und wir alle stehen vor der Frage, wie sich die kommenden Jahre und Jahrzehnte entwickeln werden“.
Dennoch ist Erbes Album kein pessimistischer Blick in die Zukunft, sondern vielmehr eine Momentaufnahme verschiedener Eindrücke und menschlicher Facetten. Es ist eben auch die Frage, wie wir uns selbst verhalten und unser eigenes Handeln dabei reflektieren. Stefan Erbe mag es nicht, auf dem nächsten Album einfach den Stil des Vorgängers zu wiederholen, soviel ist bekannt. Dass er nach dem Ausflug ins All mit der "Genesys" wieder in irdische Gefilde zurückkehren würde, war also zu erwarten. Die radikale und direkte Weise, auf die er den nächsten Schritt geht, überrascht dann aber schon. Auf "Reflect" werden die Probleme thematisiert, mit denen sich die Menschheit im Hier und Jetzt beschäftigen muss: Kriege, die Schere, die zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, und der allgegenwärtige Plastikmüll. Damit einhergehend wird der "Erbe-Sound" auch auf neue Weise interpretiert: er ist härter und direkter, der Botschaft angepasst. Das soll jetzt aber nicht heißen, das "Reflect" ein Album mit negativer oder düsterer Grundstimmung wäre. Den Problemen setzt Stefan Erbe seine positive Sicht auf die Zukunft entgegen - Probleme können gelöst werden, und jeder einzelne kann etwas dazu beitragen, wenn er/sie nur will. Ich habe bei Rezensionen früherer Erbe-Alben geschrieben, man könne die Musik auch einfach nur genießen, ohne sich über das dahinter stehende Konzept oder die Aussagen Gedanken zu machen. Prinzipiell gilt das auch hier, aber es ist schwerer als je zuvor, sich der hinter den Tracks stehenden Botschaft zu entziehen. "Reflect" ist für mich das thematisch bisher ambitionierteste Erbe-Album, und es zeugt von Stefan Erbes Fähigkeiten, wie er auf "Reflect" die Botschaft mit seiner musikalischen Identität verschmolzen hat. Chapeau, sowohl für den Mut als auch die gelungene Überraschung!