Artist: Stefan Erbe
Tracklist:
1. daystarter 4:55
2. this city never sleeps 5:04
3. insight error 5:47
4. clocked analog 5:51
5. open the sky 3:53
6. remembering the future 5:38
7. no more 5:07
8. environmental 4:59
9. animation (the cathedral) 8:22
10. legacies 4:48
11. at the end of a century 5:03
12. sound of sky (pluck-mix) 5:57
13. clocked digital 6:00
Nach 20 Jahren musikalischen Schaffens, mit 24 Alben und weit über 100 Konzerten, Festivals und Events, darf man ein wenig resümieren. Aber nein, kein Best-Of-Album oder eine typische Retrospektive ist daraus geworden sondern vielmehr ein neues Release, dass die letzten beiden Jahrzehnte aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet.
Wie hätte meine Musik mit den heutigen technischen Möglichkeiten damals geklungen und wie würde meine Musik wohl klingen, hätte ich vor kurzen erst mit dem Produzieren begonnen? Hätte ein Blick aus der Vergangenheit in die Zukunft anders ausgesehen, wenn ich damals gewusst hätte, was alles noch kommen würde?
Somit stellte sich für mich die Frage, wie kann ein Jubiläumsalbum aussehen ohne dabei in die eigene Selbstbeweihräucherung zu verfallen? Funktioniert es vielleicht, in dem man seine bisherigen Stilmittel diverser Produktionszeiträume in die aktuelle Komposition einbindet und eben die Variabilität verwendet, die das gesamte Spektrum musikalischer Möglichkeiten einbezieht, ohne dabei das Erbe-umspannende Element der melodischen Piano meets Bilities-Sound zu verlassen? Gibt es die Chance alte Techniken und Vorstellungen in die heutige Arbeit zu integrieren?
Es gibt sie, denn die neuen Tracks vermitteln eine Vertrautheit, die sich mit den Erstlings-CD-Strukturen verbunden hat. Durchaus traditioneller in der tonalen Entstehung, manchmal schon auch retrospektiv und Vergangenheitsnah, aber eingebettet in die Qualität der aktuellen Kreativität. Sozusagen das Beste aus zwei Zeiträumen? Durchaus, aber immer mit der Maßgabe, dass es keine Kopie vergangener Zeiten werden darf.
(Eine Ausnahme gab es dennoch, der Sound of Sky Mix wurde von mir auf vielfachen Wunsch auf das Album gestellt und zeigt wie wichtig „sichtbare“ Elemente mit der eigenen Musik verbunden sind. Ohne dieses Thema, wäre sicherlich vieles in den letzten Jahren anders gelaufen)
Die 13 Stücke sind klug gewählt, denn jedes steht für eine eigene Zeit und besitzt ein einzigartiges Element. Dies kann die Kombination der Stilrichtungen sein, die Form der Melodie oder der Ursprung der Komposition sein. Mal chillig pianoresk, sequenzert nach Hauptstadtvorlage, als ambientes Entspannungselement oder als tranceportierter Beattrack der abrupt die Stimmung wechselt. Selektive und sehr reduziert Overdubs teils vokal, teils atmosphärisch, richtig dosiert und spannungsbogenbildend, erzeugen die Stimmungsdichte die es auch in den ruhigen Stücken braucht. Mal analogisch konstruiert oder auch digital gekühlt, der Kontrast der Tracks ist auch auf Legacies ein tragendes Element.
Ist es zu den Vorgänger-Alben „Method und Emotiondesign“ weniger emotional?
Vielleicht ist der etwas reduzierte Gebrauch der Erbschen Klavierobjekte ein Stilbruch zu den beiden vorherigen Alben und erzeugt unweigerlich eine gewisse Veränderung. Aber noch mehr ist es der Rote Faden, der häufiger die Farbe wechselt als es man von Erbe gewohnt ist. Die Zusammenstellung der Stücke unterlässt dieses Mal die Möglichkeit, sich einem vorgegebenen emotionalen Pfad hinzugeben (im Besonderen wie auf der Emotiondesign). Das Klavier stand somit mehr als Unterstützer im Hintergrund und wirkte weniger als dominanter Hookline-Erzeuger, obwohl es mehrere Pianointensive Stücke zu hören gibt.
Warum hat die Produktion dann doch so viel länger gedauert als ursprünglich geplant?
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten ein Album zu produzieren. Die Eine ist sich für mehrere Wochen ins Studio einzuschließen und erst dann wieder ein geregeltes Leben zu führen, wenn alle Stücke fertig sind oder man lässt sich so viel Zeit und erzeugt alle 2-3 Wochen ein neues Stück, um dann die Besten aus einer Auswahl von 20-30 Stücken zu verwenden. Angefangen hatte ich Ende 2013 mit der ersten Möglichkeit, die eine große Anzahl der jetzigen Tracks entstehen lies. Somit gab es einen Hoffnungsschimmer bereits schon im Januar 2014 fertig sein zu können. Die erste Albumversion stellte mich aber bei weitem nicht zufrieden und ich habe 4-5 Stücke wieder herunter geworfen. Dieser Prozess war sehr wichtig und untermauerte meine Strategie noch mehr auf die verschiedenen Möglichkeiten vergangener Jahre zu schauen. Ich habe dann letztendlich sehr darauf geachtet, dass jeder Track wieder anders als der vorherige und der folgende sein muss. Letztendlich gibt das doch noch eine Ausnahme: „clocked“ gibt es in zwei Versionen, die aber im wesentlichen nur ein Bass-Muster gemein haben.