Holger Czukay spielte früher Bass bei Can. Die haben den Echo 2003 für ihr Lebenswerk bekommen. Czukay wird im Jahr 2003 bereits 65 und hat eine neue CD herausgebracht -- The New Millennium. Der spitzfindige Klangtüftler mit skurrilem Eulenspiegel-Humor hat schon den ganzen Kosmos nach neuen Tönen abgegrast, Ätherwellen, Radiofrequenzen, Sendersignale und Naturgeräusche eingefangen. Damit hat er nicht nur eigenwillige Soloalben gefüllt, sondern Musiker von Brian Eno bis The Eurythmics inspiriert. Wer nach griffigen Songs sucht, wird auch auf dem neuen Album eher irritiert durch den Klangdschungel irren. Doch mit der entsprechenden Geduld wird man am Ende dieses Labyrinths belohnt, zumindest bei jenen Kompositionen mit einem langsamen, stark rhythmisierten und hypnotischen Aufbau. Dazu gehören "La Secondaire", ein 360-Grad-Techno-Panorama, das sich irgendwann um die eigene Achse dreht, das mystische "Supernova" mit einem Loop- und Gesangsesperanto aus einer anderen Galaxie, der Hardcore-Electrodance "Cinderella", der sich aus einer Stockhausen-Kakofonie im Schnelldurchlauf zum Rhythmus-Marathon entwickelt. Das beste Stück ist der makellose Remix von "Echogirl" (aus dem Album Linear City), auf dem die geballte Kraft der archetypischen Can-Rhythmen für Struktur und High Energy sorgen. Hier überzeugt auch die ansonsten oftmals dissonante Gesangsstimme von Czukays Frau und Muse U-She. Abgespaced und was für Mr. Spock mit zwei grünen Antennen an den Ohren. --Ingeborg Schober