Eine nostalgische Modernität prägte 1977 Trans Europa Express, das sechste Album der Düsseldorfer Band Kraftwerk. Zum ersten Mal lagen Konzept und Produktion allein in den Händen von Ralf Hütter und Florian Schneider. Nach dem retrospektiven Album Radio-Aktivität gab sich die Band dem Thema entsprechend nun betont europäisch. Die Monotonie und bildhafte Schönheit einer langen Zugfahrt war die musikalische Fortsetzung von Autobahn auf dem europäischen Schienennetz. Mit diesem sinfonischen Gedicht war der Band eine zukunftsweisende Synthese aus Rock und Avantgarde gelungen, indem sie alltägliche Industrieklänge und Verkehrsgeräusche zu repetierenden Perkussionsmustern verarbeiteten. Metallische, tanzbare Schlagzeugrhythmen ergaben einen europäischen Funk, im Gesang huldigten sie ihrem größten Fan David Bowie und ihrem Idol Iggy Pop. Mit "Schaufensterpuppen" und "Spiegelsaal" persiflierten sie ihr eigenes Image als leblose, roboterhafte Bühnenpersonen. Die romantischen Impressionen standen im krassen Gegensatz zur einsetzenden Punk-Bewegung. Kein Schaden, wie sich bald herausstellen sollte. Schon ein Jahr später bezogen sich Bands wie Throbbing Grisle und Cabaret Voltaire mit ihrer Industrial Music auf die TEE-Klänge. Und 1982 verhalf ein Sample aus dem Trans Europa Express-Motiv Africa Bambaataa zu seinem Hit "Planet Rock" und Kraftwerk zu verspäteten Charterfolgen.
Hier die Version mit den deutschen Texten.