Conrad Schnitzler - Conrad + Sohn
Artist: Conrad Schnitzler
Trackliste:
„Conrad & Sohn“ (1981) ist ein gemeinsames Projekt von Conrad und seinem Sohn Gregor. Beide bespielten mit demselben Equipment je eine Seite des Albums. Conrad Schnitzler gehört zweifellos zu den Gründungsvätern der deutschen Elektronik. Und er hat einen Sohn, Gregor Schnitzler, der wie sein Vater künstlerisch außerordentlich aktiv war. Ihre musikalischen Differenzen scheinen sie friedlich ausgetragen zu haben. Wie wäre es
sonst möglich, dass sie sich eine von Conrad Schnitzler selbst herausgebrachte
LP „teilten“? Denn „Conrad & Sohn“ besteht zur einen Hälfte aus Musik von Conrad Schnitzler, zur anderen aus Musik seines Sohnes Gregor. Es sind also zwei Minialben auf einem Tonträger zu hören. Hier bietet sich ein Vergleich an. Offensichtlich benutzt Gregor das Equipment seines Vaters, die Ähnlichkeiten im Sound der Klangerzeuger sind unüberhörbar. Er setzt die Elektronik und seine Stimme allerdings völlig anders ein als sein Vater. Deutlich sind Einflüsse von Industrial (z. B. Cabaret Voltaire) zu hören. Auch der
schmucklose Minimalismus der Neuen Deutschen Welle ging nicht spurlos an ihm vorüber. Hier ein wenig Endzeitgefühl, dort überdrehte Hysterie. Für die jungen, modernen Musiker in der Frontstadt West-Berlin war damals der Mix aus Depression und Wut die selbstverständliche Voraussetzung für ihre schnörkellose, unsentimentale aber trotzdem gefühlvolle Musik. Und die Behauptung „No Future“ hatte ihre Gültigkeit noch nicht verloren. Mit seiner Musik nahm Gregor eindeutig Stellung; er gehörte zu den Jungen.
Auch Conrads Musik auf diesem Album ist nicht ganz frei von aktuellen Einflüssen. Als erfahrener Avantgardist und Performancekünstler bezieht er jedoch eine völlig andere ästhetische Position als sein Sohn Gregor. Sieht man einmal von dem düsteren, kryptischen Text des ersten Stücks ab, so spricht Conrad eine dem kundigen Hörer gewohnte musikalische Sprache: Sequencer-Figuren ohne Anfang und Ende, dann aber auch mal eine seltsam humorvolle Miniatur mit Donald-Duck-Stimme, gefolgt von elektronischen Partikeln, die von irgendwoher nach irgendwohin ziehen. Totale Abstraktion. Conrad und Gregor führen sich (und uns) ihre krass unterschiedliche
musikalische Auffassungen vor Ohren.
Asmus Tietchens
Trackliste:
| 1 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 3:59 | |
| 2 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 5:03 | |
| 3 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 5:34 | |
| 4 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 4:39 | |
| 5 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 5:13 | |
| 6 | Conrad Schnitzler – | Untitled | 2:04 | |
| 7 | Conrad Schnitzler – | Untitled | 1:32 | |
| 8 | Conrad Schnitzler – | Untitled | 1:59 | |
| 9 | Conrad Schnitzler – | Untitled | 4:18 | |
| 10 | Conrad Schnitzler – | Untitled | 3:23 | |
| 11 | Conrad Schnitzler – | Untitled | 3:54 | |
| 12 | Conrad Schnitzler – | Untitled | 3:56 | |
| Bonustracks | ||||
| 13 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 4:59 | |
| 14 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 4:00 | |
| 15 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 5:19 | |
| 16 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 1:32 | |
| 17 | Gregor Schnitzler – | Untitled | 4:07 | |
„Conrad & Sohn“ (1981) ist ein gemeinsames Projekt von Conrad und seinem Sohn Gregor. Beide bespielten mit demselben Equipment je eine Seite des Albums. Conrad Schnitzler gehört zweifellos zu den Gründungsvätern der deutschen Elektronik. Und er hat einen Sohn, Gregor Schnitzler, der wie sein Vater künstlerisch außerordentlich aktiv war. Ihre musikalischen Differenzen scheinen sie friedlich ausgetragen zu haben. Wie wäre es
sonst möglich, dass sie sich eine von Conrad Schnitzler selbst herausgebrachte
LP „teilten“? Denn „Conrad & Sohn“ besteht zur einen Hälfte aus Musik von Conrad Schnitzler, zur anderen aus Musik seines Sohnes Gregor. Es sind also zwei Minialben auf einem Tonträger zu hören. Hier bietet sich ein Vergleich an. Offensichtlich benutzt Gregor das Equipment seines Vaters, die Ähnlichkeiten im Sound der Klangerzeuger sind unüberhörbar. Er setzt die Elektronik und seine Stimme allerdings völlig anders ein als sein Vater. Deutlich sind Einflüsse von Industrial (z. B. Cabaret Voltaire) zu hören. Auch der
schmucklose Minimalismus der Neuen Deutschen Welle ging nicht spurlos an ihm vorüber. Hier ein wenig Endzeitgefühl, dort überdrehte Hysterie. Für die jungen, modernen Musiker in der Frontstadt West-Berlin war damals der Mix aus Depression und Wut die selbstverständliche Voraussetzung für ihre schnörkellose, unsentimentale aber trotzdem gefühlvolle Musik. Und die Behauptung „No Future“ hatte ihre Gültigkeit noch nicht verloren. Mit seiner Musik nahm Gregor eindeutig Stellung; er gehörte zu den Jungen.
Auch Conrads Musik auf diesem Album ist nicht ganz frei von aktuellen Einflüssen. Als erfahrener Avantgardist und Performancekünstler bezieht er jedoch eine völlig andere ästhetische Position als sein Sohn Gregor. Sieht man einmal von dem düsteren, kryptischen Text des ersten Stücks ab, so spricht Conrad eine dem kundigen Hörer gewohnte musikalische Sprache: Sequencer-Figuren ohne Anfang und Ende, dann aber auch mal eine seltsam humorvolle Miniatur mit Donald-Duck-Stimme, gefolgt von elektronischen Partikeln, die von irgendwoher nach irgendwohin ziehen. Totale Abstraktion. Conrad und Gregor führen sich (und uns) ihre krass unterschiedliche
musikalische Auffassungen vor Ohren.
Asmus Tietchens